Alles war perfekt. Eigentlich.

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Interview mit einer Unternehmensberaterin, 59 Jahre

Was war das Mutigste, das du je getan hast?

Mit 54 Jahren habe ich mich nach 30 Jahren Beziehung von meinem Mann getrennt, mit anschließender Scheidung.

Wir haben zwei wunderbare Söhne miteinander, funktionierten als Eltern und als Familie richtig gut. Wir waren eine Vorzeigefamilie, sowohl zwischenmenschlich als auch im Materiellen. Mein Mann war ein guter Ehemann in dem Sinne, dass er für uns wirklich da war. Er war sowohl als Mensch für die Familie da, aber auch als starke finanzielle Kraft. Unsere Söhne, die mittlerweile an der Schwelle zum Erwachsensein standen, entwickelten sich zu verantwortungsvollen Menschen, die begannen ihr Leben zu gestalten und Schritt für Schritt in die Hand zu nehmen. Wir wohnten in einem schönen Haus.

Alles war in Ordnung, es gab überhaupt kein Drama, gar nichts, da war nichts Schlimmes. Außer einer Sache: Mit den Jahren wurde mein Wunsch nach einer tiefen und innigen Beziehung immer stärker, in der sich beide ganz bewusst miteinander weiter entwickeln. Ich hatte das Gefühl, dass Partnerschaft zwischen Mann und Frau noch mehr beinhalten kann, ja für mich noch mehr beinhalten muss. Aber durfte ich überhaupt so denken? War nicht alles einfach perfekt und wieviel darf man sich noch erhoffen, noch erträumen vom Leben? Hatte ich das Recht, eine doch gute Ehe zu beenden, meinen Kindern das funktionierende Familiengefüge zu nehmen, nur weil ich spürte, dass ich in diesem Leben auch mit einem Herzenspartner zusammen sein wollte?

"War nicht alles einfach perfekt und wieviel darf man sich noch erhoffen, noch erträumen vom Leben?"”

 

"Mein Gefühl wurde nicht schwächer, es wurde immer stärker, mein Wunsch wurde für mich immer klarer."

Eines Tages sagte ich meinem Mann ganz ruhig:
„Du, ich denke es ist besser, wenn wir uns trennen.“ Eine Woche später hatte ich eine eigene Wohnung, der Auszug erfolgte auf Etappen.

Die erste Zeit war nicht einfach, so vieles musste ich mir neu erarbeiten, in vielen Dingen hatte ich mich zu 100% auf meinen Mann verlassen können. All das musste ich nun selber meistern…Und nicht nur das – wir wollten unseren Söhnen weiterhin ein gutes Elternpaar sein, auch wenn sich die Rahmenbedingungen geändert hatten. Auch das galt es zu schaffen…


Wenn ich den mutigen Schritt der Trennung von meinem damaligen Mann nicht gewagt hätte, dann hätte ich niemals so sehr ich selbst werden können, wie ich es heute bin.

 

Was hat dir die Trennung für dein Leben gebracht?

Ich bin ICH geworden. Ich lebe heute das, was ich wirklich bin. Ich habe es geschafft, authentisch zu mir, zu meinem inneren Gefühl, zu meinen tiefsten Wünschen zu stehen. Das war nicht leicht.

Aber heute passen „innen und außen“ wirklich zusammen. Das „eigentlich“ ist weg. Früher dachte ich oft: „Was hast du nur, eigentlich passt ja alles?!“ Heute ist es so – es passt wirklich alles, ganz ohne „eigentlich“. Einige Zeit nach der Trennung lernte ich wahrhaftig meinen Herzenspartner kennen. Heute weiß ich – weil ich es erlebe – dass es diese Art von Partnerschaft tatsächlich gibt.

Wie wäre dein Leben anders verlaufen, wenn du die Trennung nicht gewagt hättest?

Ich habe meinen Traumpartner gefunden. Ich lebe heute die Beziehung, die ich mir mein Leben lang gewünscht habe! Dies wäre ohne meinen Mut niemals möglich gewesen. Ohne diesen Schritt würde ich noch heute ein „eigentlich“ ganz gutes Eheleben führen…

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