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Weltreise

Weltreise

 
Interview mit Armin Wahl, der mit 31 Jahren Auszog, um sein Leben zu erobern

Was war das Mutigste, das du je getan hast?

Nach Abschluss meines Studiums begann ich meine berufliche Laufbahn und arbeitete einige Jahre im Vertrieb. Ich musste jedoch rasch feststellen, dass die Inhalte des Studiums kaum mit der Realität der Arbeitswelt übereinstimmten. Die Unternehmen in denen ich tätig war konzentrierten sich fast ausschließlich auf Profit.

Die Führung machte sich kaum Gedanken darüber, wie sie ihre Mitarbeiter fördern könnten, anstatt immer nur mehr zu fordern. Das Potential der Mitarbeiter wecken, positive Aktivierungen – das erlebte ich im Arbeitsalltag nicht. Ich war desillusioniert.

Gleichzeitig hatte ich mich schon immer für das Reisen interessiert und die täglichen Erfahrungen im Berufsalltag verstärkten noch die Gedanken an einen langen gehegten Traum: Sollte ich nicht doch einfach auf Weltreise gehen?

 

"Sollte ich nicht doch einfach auf Weltreise gehen?"

 

Es stellte sich heraus, dass das für mich gar nicht einfach war, es gab einige Schwierigkeiten.

Meine Familie und meine Freunde, ja mein ganzes soziales Umfeld in der kleinen schwäbischen Gemeinde in der ich lebte, war sehr konservativ. Die Werte die hier zählen sind Fleiß, Sparsamkeit, eine gute Arbeitsmoral, möglichst lange beim gleichen Arbeitgeber bleiben, eine Familie gründen und ein Haus bauen. Meine Pläne standen dazu fast im kompletten Gegensatz!

Jeder dem ich davon berichtete, machte sich Gedanken: Über meine Arbeitsplatzsicherheit, die Finanzierung, meinen Einkommensverlust, die geminderte Sicherheit meiner Rente durch niedrige Einzahlungen, meine Sicherheit während der Reise, mögliche Erkrankungen und so weiter und so fort. Der Druck auf mich stieg zunehmend an und davon beeinflusst befielen mich Zweifel, ob ich die Reise tatsächlich durchführen sollte.


Nach langem Abwägen und Abwarten nahm ich meinen Mut zusammen und kündigte meinen Job. Um anschließend das „Round-the-world -Ticket“ zu kaufen!

 

Was hat dir diese Weltreise für dein Leben gebracht?

Durch diese mehrmonatige Reise veränderten sich mein Weltbild, mein Verhalten und meine Werte enorm. Auf einer derart langen Reise zählt eigentlich nur noch der Moment.

Eventuell auch noch der nächste Tag. Man plant sehr wenig, lässt sich eher inspirieren und verlässt sich mehr auf sein Bauchgefühl. Zeit spielt eine sehr untergeordnete Rolle, da Weiter- und Rückreise in großer Ferne liegen. Das war so ganz anders als bei den zwei- oder dreiwöchigen Reisen, die ich davor unternommen hatte.

Ich wurde auch viel genügsamer. Nicht immer hat man auf solch einer Reise etwas zu essen, manchmal muss man auch Durst ertragen. Zudem waren gängige Freizeitbeschäftigungen unserer westlichen Gesellschaft, wie Fernsehen oder Computerspielen kaum verfügbar. Dadurch beschäftigte ich mich viel mehr mit anderen Reisenden. Diese kamen aus den verschiedensten Ländern der Welt und brachten die unterschiedlichsten kulturellen Hintergründe mit.

 
 
Ich erkannte, dass alle Menschen nach Glück streben und ich wurde durch zahllose sehr nette Begegnungen viel toleranter und freier in meinen Gedanken.

Das betrifft auch mein heutiges Denken darüber, was ich mir selbst und anderen zutraue. Durch die Übernachtungen in Jugendherbergen und die vielen (Gruppen-) Unternehmungen mit anderen Langzeitreisenden, lernte ich eine Menge neuer Menschen kennen und konnte Vorbehalte und Distanziertheit ablegen. Ich hatte auch die Gelegenheit in sogenannte 3. Welt-Länder zu reisen und zu erleben, dass die Menschen dort oft viel glücklicher, ausgelassener und toleranter sind als in unserer westlichen Wohlstandgesellschaft.

Dadurch verminderte sich mein eigenes Streben nach materiellem Glück, das man im Äußeren sucht und durch Dinge wie Autos, gutbezahlte Jobs, tolle Häuser, immer größere Fernseher, etc. anzuhäufen versucht, noch weiter. Das ließ mich schließlich viel gelassener und immer fröhlicher werden.

 
 

Wie wäre dein Leben anders verlaufen, wenn du die Weltreise nicht gewagt hättest?

Da kann ich natürlich nur spekulieren was anders gelaufen wäre. Ich meine, dass ich längst nicht so viele weitere Reisen gemacht hätte. Diese haben mich noch toleranter, offener und flexibler im Handeln, im Verhalten (anderen und mir selbst gegenüber) und im Denken gemacht.

Zudem weiß ich nicht, ob ich die gleiche berufliche und private Entwicklung durchlaufen hätte, mit all den neuen Möglichkeiten die sich für mich ergaben, wenn ich durch die Reisen nicht ein anderes Weltbild entwickelt hätte.

Es könnte schon sein, dass ich heute ein eher konventionelles Leben führen würde, hätte ich diese erste große Reise nicht gewagt. Nicht dass dies generell schlecht ist, aber für mich ist es einfach nicht passend, wie ich bis jetzt herausfinden durfte.

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