Unzufrieden?! Steh dazu – mach was draus!

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Unzufriedenheit - was für unangenehmes Gefühl

Es nagt an uns, es meldet sich immer wieder ungebeten zu Wort und es lässt sich keinen Maulkorb umbinden. Es macht seinen Mund einfach immer wieder auf. Und das in den unpassendsten Momenten! Dabei hören wir ständig, wir sollen nicht unzufrieden sein! Geht es uns nicht bestens? Leben wir nicht in einem der reichsten Länder der Welt? Da ist es doch schrecklich undankbar, trotzdem nicht zufrieden zu sein, oder?

Also weg mit dir, du egoistische, ungerechtfertigte Unzufriedenheit. Hand auf’s Herz – wie oft hast du schon versucht, Gefühle der Unzufriedenheit wegzuschieben, oder ihnen eine hübsche Maske aufzusetzen? Ich habe es getan - immer wieder. Schließlich ist Unzufriedenheit sozial alles andere als gut angesehen. Unzufrieden zu sein, ist fast schon ein Tabu. Ist das nicht etwas für Loser? Wer unzufrieden ist, der hat irgendetwas nicht kapiert, oder irgendetwas falsch gemacht, scheint der Zeitgeist zu sagen.

Meine Unzufriedenheit war mir irgendwie peinlich. Und peinlich fühlt es sich auch an, wenn die Maske, die das verbergen soll, nicht so richtig funktionieren will. Das etwas mechanische Lächeln, die nicht ganz so authentische Freude, die innere Leere... Richtig gefährlich wird es, wenn man beginnt, an die eigene Maskerade zu glauben. Denn dadurch verliert man den Zugang zu den eigenen Wünschen und man beraubt sich der klugen Kraft der Unzufriedenheit.

 

Unzufriedenheit ist nichts anderes als ein genialer Kompass!

Unzufriedenheit zeigt uns, wo wir etwas verändern sollten!

Jeder Mensch, der etwas Großes geschaffen hat, war mit irgendetwas unzufrieden! Wenn du Gefühle der Unzufriedenheit als starke Kraft FÜR dich nutzen möchtest, musst du musst 2 Dinge wissen:

1: Unzufriedenheit ist etwas anderes als Undankbarkeit!

2: Es gibt zwei Arten, mit Unzufriedenheit umzugehen

Unzufrieden zu sein bedeutet nicht undankbar zu sein

Ein Gedankenexperiment: Stell dir vor, eine hübsche Pflanze wächst in einem Topf heran. Sie gedeiht hervorragend, sie reckt und streckt sich, sie wächst und fühlt sich pudelwohl. Bis sie eines Tages an ihre Grenzen stößt. Oder besser gesagt, an die Grenzen des Topfes. Der Topf beginnt sie zu drücken, sie fühlt sich eingeengt und hat einfach nicht genügend Platz. Sie kann sich nicht zu ihrer vollen Pracht entfalten. Die Pflanze wird unzufrieden. Sie spürt ganz genau, dass mehr in ihr steckt als ein kleines Topfpflänzchen zu bleiben. Ist sie deshalb undankbar? NEIN! Schließlich waren es tolle Zeiten, als sie damals ihren Topf eroberte. Und sie liebt ihren Gärtner, der sie stets mit Wasser versorgt. Ist es falsch von der Pflanze unzufrieden zu sein? NEIN! Denn mit dieser Situation zufrieden zu sein, würde nur bedeuten, dass sie sich selbst verleugnet. Es würde bedeuten, dass sie sich kleiner macht, als sie in Wirklichkeit ist.

Wir können und sollen dankbar sein, für all das Positive, das wir erlebt haben und für jeden Reichtum, den es in unserem Leben gibt.

Gleichzeitig bedeutet Leben Wachstum und Veränderung. Deshalb ist es völlig natürlich, wenn wir unzufrieden mit etwas sind, das nicht mehr unserer persönlichen Entwicklung entspricht.

 

Dummer Umgang mit Unzufriedenheit

Wir sind zum Glück keine Pflanzen, die dem Gärtner ausgeliefert sind. Uns ist oft nicht bewusst, dass wir selbst der Gärtner unseres Lebensgartens sind. Wir tun gerade so, als wären wir die Pflanze im Topf und sind beleidigt und frustriert, wenn uns niemand einen größeren Topf bringt. Diese Herangehensweise ist sinnlos. Es stimmt, dass wir nicht für alle Rahmenbedingungen und Geschehnisse die uns widerfahren, verantwortlich sind. Sehr wohl liegt es aber in unserer Verantwortung, wie wir darauf reagieren.

Dummer Umgang mit Unzufriedenheit bedeutet, zu nörgeln und schlechte Laune zu verbreiten, aber eines tunlichst zu vermeiden: Endlich etwas zu verändern. Diese Art von Unzufriedenheit ist destruktiv. Es ist, als würden wir in einem Gefängnis sitzen, ohne je zu versuchen, die Türen zu öffnen. Wenn wir so in unserer Unzufriedenheit stecken bleiben, geben wir die Zügel aus der Hand. Wir leben nicht, sondern werden von unserem Umfeld und den Umständen gelebt. Manche Veränderungen brauchen Zeit und viel Kraft. Aber wer, wenn nicht wir selbst, sollte diese Kraft in unser Leben investieren?

 

Intelligenter Umgang mit Unzufriedenheit

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, die eigene Unzufriedenheit als Weckruf und als Kompass zu verstehen. Es ist nicht nötig, dieses Gefühl wegzuschieben, oder zu bagatellisieren. Ein höchst praktischer Zugang ist, hinzusehen und sich einige Fragen zu stellen:

 
 
  • Von 1 bis 10: Wie unzufrieden bin ich mit einer bestimmten Sache? 1 = minimale Unzufriedenheit, 10 = maximale Unzufriedenheit
  • Was wäre, wenn…? Stell dir vor, eine wunscherfüllende Fee hilft dir, die Situation genau so zu verändern, wie sie für dich perfekt wäre. Wie sieht die Situation danach aus? Wie fühlst du dich dann?
  • Was riskiere ich im schlimmsten Fall, wenn ich die Situation verändere?
  • Was riskiere ich, wenn ich die Situation NICHT verändere? Vor allem auch langfristig?
  • Was kann ich tun, um die Situation zu verändern? Was noch? (erstmal KEINE Denkverbote)
    • Was kann ich heute noch tun – und sei es noch so klein – um eine Verbesserung der Lage in die Wege zu leiten?
 
 

Freundschaft schließen möglich?

Die eigene Unzufriedenheit als Freund zu akzeptieren und ihr zu geben, was sie braucht, damit sie auch wieder abreisen kann, ist eine spannende Herausforderung. Nur Mut – du kannst sehr viel dabei gewinnen!

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