Stay brave!

Beate Kraml traf im Alter von 45 Jahren eine Entscheidungen, die viele nicht gewagt hätten. Was danach geschah, ist eine Erfolgsstory made in Austria…

Was war das Mutigste, das du je getan hast?

Ich habe kürzlich eine Anfrage bekommen, was das Mutigste war, das ich in meinem Leben je getan habe. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Es fielen mir Situationen ein, in denen ich – sehr früh schon – meine Meinung gesagt habe, obwohl ich wusste, dass man sie jetzt und so nicht hören wollte. In der Schule, im Elternhaus – meistens ging es um mein Gerechtigkeitsempfinden, das ich verletzt sah. Das hat mir oft nicht zum unmittelbaren Vorteil gereicht. Aber ich fand schnell den Unterschied für mich heraus, wie es sich im Nachhinein anfühlte, es getan oder unterlassen zu haben. „Nichts sagen“ wenn „die Meinung sagen“ angebracht ist, führt zu äußerst unangenehmen Nachwirkungen und Gefühlen der Schwäche. Daraus ist eine Gewohnheit geworden, die jetzt zu mir gehört und für die ich nicht mehr viel Mut brauche.Als mutig erlebte ich immer wieder Trennung und Veränderung. Beziehungen, die freudlos geworden waren, Wohnsitzwechsel: Belastendes beenden. Das Mutigste aber war – im Nachhinein betrachtet, die Kündigung eines Jobs als Abteilungsleiterin im Alter von 45 Jahren. Längst hatte mir der Personalchef vorgerechnet, wieviel ich angesichts der zu erwartenden Biennalsprünge zu Pensionsantritt verdienen würde. Ich war verantwortlich für ein großes Budget, traf weltberühmte Leute und „verkaufte“ ein wunderschönes Produkt in einem großen Kulturunternehmen. Ich schrieb Texte, interviewte interessante Menschen, führte meine kleine „Truppe“ erfolgreich – bis die Institution einen neuen Chef bekam.

„Das Mutigste aber war die Kündigung eines Jobs als Abteilungsleiterin im Alter von 45 Jahren.“

Die folgende Zeit wurde schwierig für mich.
Als körperliche Symptome sich mehr und mehr bemerkbar machten, war es Zeit für eine Entscheidung. Nach drei Jahren „Alles-Probieren-um-es-auszuhalten“ traf ich diese und kündigte – ohne zu wissen, was danach kommen würde. Ich hatte finanzielle Verpflichtungen, eine Wohnung, studierende Kinder. Ich tat es trotzdem.

Ich kündigte, ohne zu wissen was danach kommen würde.

Was hat dir deine Entscheidung für dein Leben gebracht?

„Was willst du mit dem Rest deines Berufslebens anfangen?“ war die Frage, die ich mir stellte. Eine wesentliche Motivation dabei war der Wunsch, anderen Menschen helfen zu können, die in eine ähnliche berufliche Situation gekommen waren wie ich und darunter litten.Ich begann mehrere Ausbildungen – und ein Jahr nach der Kündigung war die neue Aufgabe da: Ich übernahm die Leitung einer Institution, die Menschen hilft, zurück ins Berufsleben zu finden. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen kreierten wir Ausbildungsbausteine und Workshops, die das Selbstbewusstsein stärken und Fähigkeiten für die Jobwelt trainieren. Einzelcoachings ergänzten das Angebot. 6.000 Frauen haben es in „meiner Zeit“ in Anspruch genommen. Meine eigenen – überwundenen – Verletzungen halfen mir sehr beim Verständnis für andere, denen ich glaubhaft Mut machen konnte.

Wie wäre dein Leben anders verlaufen, wenn du diese Kündigung nicht gewagt hättest?

Eineinhalb Jahrzehnte nahm ich diese neue Aufgabe mit Freude und Hingabe wahr, um nach Pensionsantritt auf ehrenamtlicher Basis weiter für die Institution da zu sein. Ich bin sehr dankbar für die damalige mutige Entscheidung und dafür, was daraus geworden ist. Wie es anders weitergegangen wäre, kann und will ich mir nicht vorstellen.

Beate erfährt viel Wertschätzung für Ihre Arbeit, die sie inzwischen ehrenamtlich tätigt.



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