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Interview mit Martina Gruber: Eine vor Lebensfreude sprühende Frau zeigt, wie Familie, Sport und berufliche Erfüllung funktionieren können – völlig jenseits von Stereotypen

Hallo Martina! Mit 25 Jahren hast du 10.000€ investiert und dich an dem Fitnessstudio-Konzept M.A.N.D.U. beteiligt. 5 Jahre später warst du Chefin mehrerer Angestellter, gefragte Seminarleiterin in ganz Österreich und dein Studio war finanziell höchst erfolgreich. Dann hast du einen Schlussstrich gezogen. Weshalb?

Der Aufbau „meiner“ Zweigstelle von M.A.N.D.U. war für mich eine spannende Herausforderung. In einem Betrieb muss ja alles laufen – von der Auslastung, über die Buchhaltung bis zur Mitarbeiterförderung. Ich konnte entdecken, dass ich mich zur Geschäftsführerin eigne, erfolgreich Angestellte führen und einen vitalen Kundenstock aufbauen kann. Es ist eine tolle Erfahrung erfolgreich zu sein. Ich habe dabei auch unglaublich viel gelernt. Nach einiger Zeit veränderte sich mein Privatleben. Ich spürte, dass für mich die Zeit gekommen war, eine Familie zu gründen. Ich heiratete und schon bald durfte ich mich über meine erste Schwangerschaft freuen. Ich arbeitete weiterhin als Geschäftsführerin und 2 Wochen nach der Geburt meiner Tochter Klara-Therese, war ich bereits wieder im beruflichen Einsatz. Doch irgendetwas stimmte nicht mehr.

 

"Irgendetwas stimmte nicht mehr."

Was war los?

Es fühlte sich einfach nicht mehr richtig, nicht mehr authentisch an. Ich war ständig gehetzt. Wenn andere Mamas ausruhten, erledigte ich bis spät in die Nacht am PC geschäftliche Dinge. Natürlich konnte ich selbst zu der Zeit auch nicht als Trainerin arbeiten, also musste ich mehr Leute anstellen. Unterm Strich hatte ich viel Stress, keine entspannte Zeit als Mama und weniger Gewinn. Außerdem schien ein anderer Teil meiner Persönlichkeit immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. Erste körperliche Symptome wie Ohrenklingeln begannen sich bemerkbar zu machen. Ich spürte immer mehr, dass ich meine persönlichen Herzenswerte in meiner Arbeit nicht ausdrücken konnte. Durch eine Yoga-Lehrer-Ausbildung, die Schwangerschaft und das Muttersein hatte ich zu einer neuen Art von Sinn gefunden. Vielleicht könnte man auch sagen: zu einer persönlichen Spiritualität. Ich wollte den Menschen inzwischen etwas Anderes geben, etwas „Tieferes“ als zeitoptimierte Fitness. Als meine Tochter 1 Jahr alt wurde, war mir klar: So will ich beruflich nicht weiter machen! Ich konnte mich mit der Lebensweise nicht mehr identifizieren. Ich beendete meine Karriere bei M.A.N.D.U.

War das schwierig für dich?

Ja und nein. Ja, weil ich Einiges aufgab, was mir ja auch Spaß machte, vor allem die Workshops, bei denen ich in ganz Österreich im Einsatz gewesen war. Und man darf nicht vergessen: Da ich das einjährige Modell des Karenzgeldes gewählt hatte, veränderte sich nun auch meine finanzielle Situation erheblich. Ich erhielt nur noch Kinderbeihilfe und hatte minimale Einnahmen durch personal Coachings die ich gab. Mein „richtiges“ Einkommen durch M.A.N.D.U. fiel jetzt natürlich weg. Ich hatte auch keinen Arbeitsplatz, an den ich später hätte zurückkehren können. Man kann klar sagen: Ich habe einen top laufenden Betrieb, inklusive vitalem Kundenstock zurückgelassen. Gleichzeitig war es leicht, weil ich ganz genau wusste, dass es die richtige Entscheidung war. Eine große Last fiel von mir ab. Die Last, die man eben spürt, wenn man ganz viel Energie in etwas pumpt, das nicht mehr stimmig ist.

Wie ging’s weiter?

Jetzt hatte ich erstmal mehr Zeit für’s Mama-Sein. Sukzessive half ich auch etwas mehr im Betrieb meines Mannes, was mir richtig Spaß machte (Anmerkung: Mur Beach Graz, Beachvolleyball und Kulinarik am Fluss). Gleichzeitig begann langsam eine Idee in mir zu reifen. In der Schwangerschaft mit meinem zweiten Kind entdeckte ich durch Zufall den Bereich des „Prä- und postnatal Trainings“. Das Thema faszinierte mich. Ich war davon so begeistert, dass ich diese spezielle Trainerausbildung absolvierte. Ich lernte, wie man vor der Geburt und mit Kleinkindern sinnvoll und mit Freude Sport betreibt. Ich bemerkte auch immer mehr, wieviel Stress und Unsicherheit bei Jungmüttern vorhanden sind. Auf’s Mama-Sein bereitet dich nämlich kein Studium vor! Außerdem verlieren viel zu viele Frauen über den Anspruch alles richtig zu machen ihr intuitives Gefühl für’s Mutter-Sein! Das ist total schade und produziert wie gesagt eine Menge Stress. Das Thema wurde mir immer wichtiger und schließlich gründete ich im Mai 2017 Mama.Outdoor.Fitness.

Was genau ist Mama.Outdoor.Fitness?

Frauen können schwanger und/ oder mit ihren Kindern - in der Gruppe, im Freien - trainieren. Das Training ist optimal auf die Lebensumstände und das Lebensumfeld (Stichworte Müdigkeit, mit Kind unterwegs sein, Spielplatz etc..) abgestimmt. Neben der hohen Qualität des Trainings lege ich großen Wert auf Austausch und Authentizität. Die Mütter sollen bei mir Spaß haben, sich wohl und gut fühlen und nicht irgendetwas beweisen müssen. Mittlerweile gibt es eine tolle, wachsende Gruppe. Das Training findet 2 x pro Woche statt. Mittelfristig möchte ich dann 4 Termine anbieten können.

Fühlst du dich jetzt wieder wohl mit deinem Berufsleben?

Absolut! Neben den Gruppentrainings gebe ich auch Personaltrainings. In dieser Kombi kann ich so viele Themen, die mir am Herzen liegen, weitergeben!

Welche Themen sind das? Hast du Erkenntnisse, die du unseren LeserInnen mitgeben möchtest?

Ja! Ich denke, um glücklich zu sein muss, man Mut zum „Authentisch-Sein“ haben. Dazu gehört auch, auf sein Bauchgefühl zu hören. Erstmal den Mut haben wahrzunehmen, was es einem sagt und diese Erkenntnis dann auch im Leben umzusetzen. Das bedeutet oft einmal, gegen den Strom zu schwimmen. Mir ist auch klar geworden, dass eine Art von Balance wichtig ist. Man braucht Ziele, etwas worauf man sich ausrichten kann. Aber es macht keinen Sinn diese Ziele stur und mit der Brechstange zu verfolgen. Manche Dinge brauchen Zeit, um zu werden, um zu wachsen. Wie auch wir selbst. Heute finde ich das völlig in Ordnung, ja ich finde es schön. Ich muss nicht alles sofort machen, vielleicht muss ich nicht einmal alles machen, was mir so vorschwebt…Vielleicht passiert Manches im nächsten Leben (lächelt).

Womit wir im Bereich der Spiritualität angelangt sind. Möchtest du zu diesem sehr persönlichen Thema auch noch etwas sagen?

Ich denke, ich habe durch meine Lebensreise und auch durch das Leben mit unseren Kindern, eine für mich persönlich sehr stimmige Spiritualität entwickelt. Inzwischen habe ich mich an meine christlichen Werte aus meinem Elternhaus erinnert und Neues aus dem Bereich des Hinduismus entdeckt. Meine Mutter hat meiner Schwester und mir immer von unserem „Schutzengerl“ erzählt. Dass es auf uns aufpasst und da ist, auch wenn wir uns einmal allein fühlen. Anfang 20 waren das keine relevanten Themen für mich. Mittlerweile habe ich wieder in ein tiefes Vertrauen gefunden. Ich bin zu der Gewissheit gelangt, dass es gut gesinnte Energien gibt, die mich umgeben, die mich tragen. Ich bin nicht auf mich allein gestellt! Die christlichen Werte mit ihren Schutzkräften, die eben Engel genannt werden, in Verbindung mit der Wiederverkörperungslehre aus dem Hinduismus ergeben für mich eine sehr harmonische Verbindung. Die Wiederverkörperungslehre, die im Christentum verloren ging, hat in mir ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge erweckt. Und auch ganz viel Gelassenheit in mir entstehen lassen. Dadurch kann ich heute viel mehr im Einklang mit meinem Umfeld und den sich wandelnden Situationen leben. Einfach weil ich überzeugt davon bin, dass am Ende Alles einen Sinn ergibt. Und meinen Kindern erzähle ich von ihrem Schutzengerl.

Danke Martina für dieses schöne, inspirierende Gespräch! Und weiterhin soviel Freude und Erfolg auf deiner Lebensreise und mit Mama.Outdoor.Fitness!

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