Keine Konkurrenz bei der Ukulele

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Interview mit Lizzy Flik: Warum der Tod eines Modelabels zur Geburtsstunde des Austrian Ukulele-Festivals wurde

Hallo Lizzy! Du hast dein eigenes Modelabel Soós Fashion an den Nagel gehängt und bist inzwischen – gemeinsam mit deinem Mann – erfolgreiche Festivalgründer- und Betreiberin. Wie kam’s?

Modedesign war meine geheime Leidenschaft. Meinen Studienabschluss habe ich in Industrial Design gemacht, aber tief im Herzen hatte ich immer das Gefühl, dass eine Modedesignerin in mir steckt. Schon vor- und auch während meines Studiums, habe ich genäht. Nach einigen Jobs im Bereich des Industriedesigns wagte ich mich daran, mein eigenes Modelabel zu gründen. Ich entwarf Mode aus Loden. Das Material stammte aus Österreich und auch die Produktion fand hier statt.

 

Du hast dir also mit dem Modedesign einen Herzenswunsch erfüllt. Trotzdem hast du das Label aufgegeben. Was war geschehen?

Ich lernte zunehmend den realen Alltag der Modewelt kennen. Man ist als Designer gezwungen, 2 Kollektionen pro Jahr auf den Markt zu bringen. Die Branche ist hart umkämpft. Auch wenn die Menschen – Modells wie Designer – privat sehr liebe Menschen sein können, steht man beruflich doch in massiver Konkurrenz zueinander. Es war nicht möglich, Ideen zu besprechen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Ich vermisste mehr und mehr diesen kreativen Austausch, das Miteinander eben. Hinzu kam, dass ich durch das Alltagsgeschäft – ich musste in meinem Verkaufsshop präsent sein – immer weniger Zeit für den kreativen Aspekt der Arbeit hatte. Irgendwann wurde mir klar: „Mode ist ein geliebtes Hobby für mich. Aber ich bin nicht bereit, für den Erfolg in dieser Branche auf so vieles zu verzichten, das für mich wertvoll und wichtig ist.“

 

Goodbye Fashion

Wie ging es danach weiter?

Erstmal war ich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich spürte einfach, dass sie richtig war. Ich führte einen geordneten Abverkauf meiner Ware durch und war gespannt, was als Nächstes kommen würde. Alte Freunde, mit denen ich früher jahrelang ehrenamtlich gearbeitet hatte, waren inzwischen selbständig gemacht und buchten mich für kleinere Designprojekte. Dann wurde ich mit meinem ersten Kind schwanger und machte parallel ein Masterstudium im Fach Innovationsmanagement. Vor einem Urlaub kaufte ich für meinen Mann – als lustiges Geschenk – eine ganz billige Ukulele. Er war so begeistert, dass er sofort eine zweite, wesentlich bessere kaufte. So reisten wir also mit unseren neuen Instrumenten in den Urlaub und begannen Ukulele zu spielen. Das Ganze machte uns so Spaß, dass wir wenig später, zurück in Graz, einen wöchentlichen Ukulele-Stammtisch gründeten. Es war unglaublich bereichernd, einfach gemeinsam in fröhlicher Runde entspannt zu musizieren.

Kaisers Ukulelen Combo

Nicht jeder macht aus einem Stammtisch ein internationales Festival! Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Aus der Stammtischrunde entstand ein „harter Kern“. Wir gründeten miteinander eine Ukulele-Band, die Kaisers Ukulele-Combo. Dazu muss man wissen, dass mein Mann den beliebten Grazer BBQ-Stand „Kaisers“ betreibt. Hier gaben wir dann unser erstes Konzert. Wir konnten es nicht glauben, als beim ersten Konzert über 400 Leute da waren! Danach wurde uns klar: Wir wollen mehr daraus machen! Wir planten, auf ein Ukulele-Festival zu fliegen, um mehr zu lernen und zu sehen. Leider war das nicht möglich, weil der Geburtstermin unseres ersten Kindes genau in diese Zeit fiel. Da sagten wir uns: Dann machen wir eben unser eigenes Festival! Hier bei uns in Graz!

Austrian Ukulelefestival

2019 findet das Festival bereits zum 3. Mal statt; Foto: Miriam Raneburger

Und das hat einfach so funktioniert?

Wir hatten zuerst die Idee, es ganz klein zu machen. Wir hatten bemerkt, dass die Leute in unserem Umfeld so viel Freude an der Ukulele hatten, dass wir das einfach mit mehr Menschen teilen wollten. Wir schrieben trotzdem, ohne uns große Chancen auszurechnen, auch international berühmte Ukulele Stars und Bands an. Wir erhielten bereits nach 48 Stunden erste Zusagen! Uns wurde immer mehr klar, dass die Ukulele-Szene sehr kollegial und bodenständig ist. Hier herrscht keine Konkurrenz! Austausch, miteinander Spielen und gemeinsam Spaß an der Musik zu haben, steht einfach im Vordergrund.

Wie verlief das erste Festival?

Das erste Festival war sensationell! Nie hätten wir gedacht, dass dafür so viele Menschen aus aller Welt extra nach Graz reisen würden. Wir hatten rund 350 Besucher und 8 Bands aus verschiedenen Ländern (Hawaii, Frankreich, Italien, England, Deutschland und Österreich). Das Highlight war das weltweit bekannte Duo Honoka & Azita aus Hawaii. Die beiden heizten gemeinsam mit ihrem Lehrer Jody Kamisato dem Publikum ein und sorgten für tosenden Applaus, Jubel und Standing Ovations.

Und im Jahr darauf?

Im Jahr darauf konnten wir die Besucherzahl fast verdoppeln und luden insgesamt 12 Bands ein. Diesmal waren die beiden Hauptacts das Orchestra of Great Britain aus den UK und James Hill & Anne Janelle aus Canada. Erstere geben sensationelle Konzerte weltweit – unter anderem in der Sydney Opera und in der Carnegie Hall in New York. James Hill ist einer der weltbesten und bekanntesten Ukulelespieler und -lehrer. Seine Workshops waren restlos ausgebucht und gemeinsam mit seiner Frau Anne, die Cello spielt, überraschten sie das Publikum mit einer atemberaubenden Show.

Wenn du nun zurückblickst – du hast deinen Traum vom Modedesign aufgegeben und bist inzwischen, gemeinsam mit deinem Mann, Begründerin des Austrian Ukulele Festivals geworden. Hat sich für dich dein Mut, der Sprung in eine ungewisse Zukunft und schließlich in eine völlig neue Branche, gelohnt?

JA! Jetzt mache ich endlich, was mir wirklich Spaß macht und was ich anscheinend auch richtig gut kann. Ich hätte zuvor nicht gedacht, dass die Organisation von großen Events mit allem was dazu gehört so eine große Freude bereiten kann. Immer wieder öffnen sich neue Türen und wir sind inzwischen der österreichische Knotenpunkt der internationalen Ukulele-Szene.

Gibt es noch etwas, das du unseren LeserInnen gerne mitgeben willst?

Auch wenn es banal klingt... ich habe immer auf mein Bauchgefühl gehört. Mit vielen Entscheidungen hatte ich lange zu kämpfen, da sie sich als folgenschwer oder kompliziert erwiesen haben. Aber alles in allem bin ich immer noch davon überzeugt, dass man immer nach dem Bauchgefühl entscheiden sollte. Denn aus jeder falsch scheinenden Entscheidung kann man viel mitnehmen, das später noch Gold wert sein könnte!

Liebe Lizzy, vielen Dank für deine Geschichte! Sie gleicht einem modernen Märchen – mit Happy End für dich & eine Menge Ukulele-Fans!

 

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