Wellenreiten im Dezember

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Ich bin noch nie kurz vor Weihnachten in den Süden abgehauen. Und ich kann nicht Wellenreiten. Letzte Woche habe ich beides probiert.

Fuerteventura bedeutet „starker Wind“, ich finde „starke Welle“ würden als Namen für diese Insel auch gut passen. Aber beginnen wir am Anfang: Vor ein paar Wochen fragte mich eine Freundin, ob ich nicht Lust hätte Wellenreiten zu lernen. Ich war sofort begeistert. Schließlich klingt das ziemlich nach Spaß und Abenteuer. Außerdem war ich mit 13 schon mal auf so einem Brett gestanden…Ich erinnerte mich dunkel daran, dass sich das gut angefühlt hatte. Die Aussicht, mitten im Dezember der kalten, dunklen österreichischen Wetterlage für 1 Woche zu entfliehen, beflügelte mich…

 

Sonntag

Nun ist es also soweit: Ich bin auf Fuerteventura und die Wellen sehen ziemlich riesig für mich aus. Morgen soll’s losgehen mit dem Surfkurs. Hhhmm…irgendwie fällt mir auf, dass ich mich überhaupt nicht daran erinnern kann wie das funktionieren soll auf solche Wellen raufzukommen, dass ich in letzter Zeit ziemlich nachlässig war, was meine sportlichen Aktivitäten betrifft und dass sich ein paar Kilo mehr als sonst um meine Hüften angesiedelt haben. Aber jetzt gibt es kein Zurück. Was ist eigentlich das Schlimmste, das mir passieren kann? Ich könnte mich ziemlich dämlich anstellen. Tja, was soll’s: Dieses Risiko hat man als bloody beginner sowieso immer.

Montag

Als wir bei der Surfschule ankommen bin ich irgendwie nervös und leicht überfordert von der Lifestyle- und Spaßlaune, die die jungen Mädls hinter den Laptops verbreiten. Schnell ist klar: Es gibt keinen Platz mehr für mich im Anfängerkurs. Mist! Oder doch Glück? Ich schlendere zur nächsten Surfschule. Kurz bin ich ein bisschen eingeschüchtert, hier sieht alles irgendwie echt und nicht nach Lifestyle aus. Der Chef ist ein Charakterkopf, das Ganze wirkt ziemlich authentisch und die Muke ist gut. Und plötzlich merke ich: Ich fühle mich wohl hier! Wir beginnen zu plaudern und bald steht fest: Ab morgen ist ein Platz für mich frei!

Come in...

Sympathisch ungekünstelt!

Surf'n Ride

Riders Surf'n Bike

Dienstag

Anne, eine sympathische junge Mitarbeiterin fragt mich, ob ich schon mal einen Wetsuit anhatte. Ähhm – nein. Das Reinquetschen in das Neoprenteil ist ein Erlebnis für sich. Anne lacht & erklärt, dass das normal ist – man gewöhnt sich daran. Und dann geht alles ziemlich schnell. Surflehrer Ravi teilt die Boards aus und ich schwöre, eben ist er noch neben mir gestanden und jetzt sitzt er auf dem Dach des Vans. Kann der Typ fliegen? Jedenfalls werden die Boards jetzt auf’s Dach geschnallt & schon sind wir über eine Buckelpiste auf dem Weg zum Strand. Angekommen erklärt Ravi die verschiedenen Strömungen, die hier auftreten & schon schleppen wir die Bretter zum Wasser. Oder besser gesagt ich schleppe. Bei Ravi sieht das Ganze unglaublich mühelos aus. Dabei geht es richtig steil bergab & Ravi ist barfuß. Jetzt zeigt er vor, wie man auf’s Board steigt & die Welle reitet. Sieht sehr einfach aus bei ihm. Im Wasser wird mir klar, dass die Wellen wirklich ordentliche Kraft besitzen. Was schon beim Trockentraining eine koordinative Herausforderung war, ist hier im Wasser nochmal eine ganz andere Nummer. Wellen vor mir, Wellen hinter mir, rauskämpfen, auf’s Brett legen, paddeln, hochdrücken und dann aufstehen. Oder in meinem Fall: Immer wieder runterkippen, Wasser schlucken und nicht wissen wo unten und oben ist. Aber es macht Spaß! Trotz aller Anstrengung, obwohl ich mich so graziös wie eine Seekuh fühle & ständig runterfalle. ES MACHT SPASS. Und 3x schaffe ich es ein paar Sekunden am Board zu stehen! Ich fühle mich königlich.

El Jefe

El Jefe

Mittwoch

Voller Optimismus glaube ich daran, dass heute alles schon viel einfacher sein wird. Schließlich weiß ich, was ich anders machen muss. Tja, da hat mein Hirn seine Rechnung ohne den Rest meines Körpers gemacht. Immer wenn ich ein Detail besser schaffe, versiebe ich etwas Anderes. Was solls, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen & ich bin irgendwie trotzdem ziemlich stolz, dass ich mich stundenlang durch die Wellen gekämpft habe.

Donnerstag

Mein ganzer Körper schmerzt – Muskelkater! Nacken, Rücken, Bauch, Beine – alles tut mir weh. Ich hab‘ auch überall blaue Flecken. Aber ich kann nicht anders, ich muss es heute wieder probieren! Zwischendurch komme ich mir doof vor – wie herrlich muss es sein am Board zu stehen, die Wellen zu reiten und nicht ständig wie ich wieder ins Wasser zu fallen. Aber die Faszination ist da – tief in meinem Herzen, ich finde diesen Sport einfach unglaublich. Egal wie komisch ich im Moment dabei aussehe.

Freitag

Ich bin erschöpft, mein Körper fühlt sich schwer und kraftlos an. Aber heute ist der letzte Tag, an dem ich nochmal auf’s Board kann. Wir sind nur 5 Personen und 2 Surflehrer begleiten uns. Es herrscht eine entspannte, fast familiäre Stimmung. Der Strand ist völlig leer wir haben die Bucht für uns alleine. Heute ist ein kleiner Junge dabei. Ich beschließe, jeden Ehrgeiz über Board zu werfen und einfach zu tun was mein Körper heute noch schafft. Manchmal stehe ich einfach mitten in der Brandung und beobachte die Wellenberge, die sich vor mir auftürmen, brechen und als kraftvolle weiße Wellen heranrollen. Ich beobachte die Surflehrer, wie sie inmitten all dieser Naturgewalt mit ruhigen Bewegungen den Schülern helfen, alles im Blick behalten und irgendwie mit den Wellen, mit dem Meer eins zu sein scheinen. In mir breitet sich tiefe Ruhe aus.

1 Kommentar

  1. Avatar B sagt:

    Gänsehaut! Danke für den Bericht!

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