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Hallo Yara, vor erst einem Jahr hast du zu laufen begonnen. Inzwischen bist du beim Trailrunning gelandet und bist im Jahr 2018 bei insgesamt 10 Rennen an den Start gegangen, darunter auch einige mehrtägige Wettbewerbe! Wie ist es dazu gekommen?

Früher war meine Arbeit für mich nicht nur Arbeit, sondern auch mein Hobby. Ich bin zwar ab und zu ins Fitnessstudio gegangen, aber ich hatte über längere Zeit nichts Spezielles, mit dem ich mich auch außerhalb der Arbeit wirklich identifiziert hätte. Dann übernahm ich einen Hund. Emil ist ein Kleinpudel und war damals erst 7 Monate alt. Er ist wirklich super – er ist zu Hause ruhig und draußen ein Energiebündel, er haart nicht, er kuschelt gern, ist gegenüber Fremden aber nicht aufdringlich. Eine kleine Macke hat er jedoch: Er kann nicht allein bleiben. Bald wurde mir klar: Ich will wieder Sport machen, brauche aber etwas „Hundetaugliches“! Schließlich konnte ich Emil nicht mit ins Fitnessstudio nehmen.

Du bist also mit Emil laufen gegangen?

Ja, das Spazieren wurde uns bald zu langweilig und es hat Stunden gedauert, bis ich das Gefühl hatte, dass Emil ausgelastet ist. Also wollte ich versuchen, die km in weniger Zeit zu schaffen. Das Laufen hat aber zu Beginn überhaupt nicht funktioniert. Emil lief nicht brav neben mir, sondern zog wie verrückt und die Leine landete ständig zwischen meinen Beinen, wenn er dann doch mal stehen blieb, um zu schnuppern. Also bin ich in die Hundeschule gegangen und wollte wissen, wie ich ihm beibringen kann, brav neben mir her zu traben. Die Antwort war erstaunlich, sie lautete: Am besten gar nicht!""

Jetzt bin ich gespannt! Warum?

Ich erhielt den Tipp, mit Emil Canicross zu betreiben. Das ist eine Sportart, bei der der Hund ein Zuggeschirr angezogen bekommt und der Mensch einen Hüftgurt trägt. Es ist die Aufgabe des Hundes, stets vorne weg zu laufen. Die Leine soll im Optimalfall stets auf Zug bleiben. Der erste Versuch war bereits ein echter Erfolg. Emil wusste sofort, was zu tun war. Andere Hunde müssen es beigebracht bekommen zu ziehen, aber Emil hat das einfach im Blut. Weil das so gut gepasst hat, bin ich dem Canicross-Verein SpeedRunners.at beigetreten und habe dort viele neue Leute kennengelernt. Ich hab‘ mich so gefreut, endlich DEN Sport für mich gefunden zu haben.

Traillaufen ist aber noch mal etwas Anderes…

Ich begann mich für Canicross-Wettbewerbe zu interessieren, mir macht das Training mit Ziel vor Augen einfach noch mehr Spaß. Bei den meisten Canicrossbewerben in unserer Gegend sind die Distanzen und die zu bewältigenden Höhenmeter jedoch relativ niedrig im Vergleich zum Trailrunning. Doch gerade diese beiden Aspekte liegen mir. Ich bin keine Sprinterin, aber ich habe Durchhaltevermögen! Emil ist es egal, er sprintet, hält aber inzwischen auch 25 km gut durch mit mir. Früher war ich öfter frustriert, weil ich in anderen Sportarten nie wirklich gut werden konnte. Das Problem war stets das Tempo. Bei meinen Versuchen mit Straßenlaufen war ich häufig die Letzte. Obwohl ich Snowboardlehrerin war, unterrichtete ich 10 Jahre lang Anfänger. Geduld hatte ich ohne Ende, aber die Geschwindigkeit zum Carven hat immer gefehlt. Beim Windsurfen und beim Wellenreiten kam ich über ein einfaches Level nie hinaus, auch hier war ich einfach nicht schnell genug. Für mich ist es schwierig, wenn ein gewisses Tempo absolut nötig ist, um ein besseres Level zu erreichen. Ich muss mich an eine höhere Geschwindigkeit in meinem Tempo herantasten können. Beim Traillaufen ist das kein Problem. Ich kann gut darin sein, ohne eine Speedkönigin zu sein. Es geht nicht primär darum, wie schnell man ist. Was zählt ist, es zu tun und bis zum Ende durchzuhalten. Distanzen und Höhenmeter sind wichtiger als die Zeit, die man gebraucht hat.

Wie bist du zu deinem ersten Wettbewerb gekommen?

Im Canicross-Verein lernte ich Thorben kennen, der ein wirklich guter Läufer ist. Er hatte kein Problem damit, mit mir laufen zu gehen, obwohl ich weit unter seinem Level war. Er fragte mich: „Wie weit kannst du maximal laufen?“ Ich antwortete: „5 km“. Er sagte: „Gut, wir laufen so weit bis du nicht mehr kannst. Und dann zurück. Ohne auf die Distanz zu schauen“. An diesem Tag bin ich zum ersten Mal 8 km gelaufen. Thorben hat mir gezeigt, dass vieles Kopfsache ist und viel davon abhängt, was man sich zutraut. Im Februar 2018 konnte ich also 8 km laufen. Thorben war davon überzeugt, dass ich im August die Phyrn-Priel-Trophy schaffen könnte. Das bedeutete ca. 19 km zu laufen und dabei um die 1.200 Höhenmeter zu bewältigen. Allein die Tatsache, dass er der Meinung war, es sei möglich, hat in mir die Gewissheit entstehen lassen, dass ich es schaffen kann.

Du hast es also gewagt?

Ja, ich habe mir aber eine Personal Trainerin genommen und es in Zusammenarbeit mit ihr gewagt. Thorben hat mir zwar gesagt, dass es möglich ist, es zu schaffen, mir hat aber noch die Antwort auf die Frage gefehlt, wie ich es angehen muss, um es zu schaffen. Barbara Hinterberger von trailsports.at hat mir diese und viele weitere Fragen beantwortet, für mich einen Trainingsplan erstellt und mich auch mental gecoacht. Mein persönliches Ziel war, nicht als Allerletzte anzukommen. Ich wusste, dazu musste ich es in ungefähr 4 Stunden schaffen.

Hast du dein Ziel erreicht?

Mehr noch! Ich war höchst überrascht, als ich den Trail in 3 Stunden 20 bewältigt hatte. Das war eine unglaubliche Erfahrung. Heute weiß ich einfach: Wenn man etwas wirklich will, dann kann man es auch schaffen. Man muss sich vielleicht anstrengen und sich bemühen, aber es ist möglich!

Hat sich das Traillaufen auch auf dein Alltagsleben ausgewirkt?

Ja, sowohl beruflich als auch privat. Ich finde heute mit meinen Klienten (Anmerkung: Yara ist selbständige Ergotherapeutin in Wiener Neudorf) eine bessere Gesprächsbasis für die Zieldefinition. Mir war immer wichtig, dass die Ziele für die KlientInnen wirklich bedeutungsvoll sind. Seit ich selbst eine für mich wirklich bedeutungsvolle Betätigung in meinem Leben entdeckt habe, kann ich endlich vermitteln, was ich damit meine. Außerdem kann ich meinen Klienten heute viel besser Mut machen. Auch nach einer Erkrankung finden sich Mittel und Wege, wieder in bedeutungsvollen Betätigungen aufzugehen. Sei es, weil man etwas Neues ausprobiert, oder Altes wieder aufleben zu lässt. Dass ich in so kurzer Zeit diesen Sport für mich erobert habe, gibt den Menschen Hoffnung und Zuversicht, dass auch sie wieder Spaß an etwas haben können, auch wenn der Alltag momentan eher trist aussieht. So ist es nicht theoretisch, sondern ich kann den KlinetInnen ganz lebensnah schildern, wie man wieder Spaß und Freude im eigenen Alltag erleben kann.

Ergotherapie Yara Peterko

Yaras Ergotherapiepraxis

Und im privaten Bereich?

Ich habe viele neue Freunde gefunden, Trailläufer sind entspannte Menschen. Man motiviert sich gegenseitig. Es herrscht keine Konkurrenz, sondern Respekt. Ich lerne viele neue Orte in Österreich kennen. Es ist wie ein Augenöffnen. Allein rund um meine Heimat Wiener Neustadt und meinen Wohnsitz Wien konnte ich unglaublich viele Berge kennen und lieben lernen. Manchmal frage ich mich, wie es möglich war, dass ich so viele Jahre an diesen Juwelen „vorbeigelebt“ habe. Inzwischen hat auch meine Schwester mit dem Traillaufen begonnen und Wettbewerbe sind kleine Familienzusammenkünfte geworden. Meine Mutter kommt auch meistens mit und passt auf Emil auf. Er ist im Training zwar immer dabei, aber bei den meisten Trail- Wettbewerben nicht zugelassen.

Was ist dein nächstes großes Ziel?

Im Juni 2019 mache ich als eine der „Fantastischen 5“ beim Hochkönigmann mit. Ich habe dafür - durch die Unterstützung von Freunden und Bekannten - eine gesponsorte Teilnahme gewonnen! Es war eine unglaublich schöne Erfahrung, auch von Personen, mit denen ich schon lange keinen Kontakt mehr hatte, Unterstützung zu erhalten, da sie sich für mich freuen, dass ich so in dieser Sportart aufgehe. (Anmerkung: 5 Personen mit den meistens Likes bei ihrem Foto auf der Facebookseite des Hochkönigman erhielten ein Starter Package im Wert von 1.500€ inkl. Trainingsplanung, Ausrüstung und Startplatz). Im Juli werde ich dann bei den 4Trails mitmachen. Das wird mein persönliches Hauptevent 2019. Dabei läuft man an 4 Tagen jeweils eine Halbmarathondistanz. Im Jahr 2019 von Seefeld bis Imst. Im Jahr darauf läuft man weiter. Im 4. Jahr kommt man dann am Gardasee an! Auch hier werden mich meine Mama, meine Schwester und Emil wieder begleiten.

Gibt es noch etwas, dass du unseren Lesern gerne sagen würdest?

Ich finde es wichtig, dass man Betätigungen nachgeht, die einem Freude bereiten. Und das sage ich nicht nur als Ergotherapeutin. Dabei ist es ganz gleich, ob man nun im Sport seine Erfüllung findet - oder einem anderen Hobby nachgeht. Auch in einem ganz anderen Lebensbereich, wie zum Beispiel der Arbeit kann man seine Erfüllung finden. Wichtig ist es, Spaß und Freunde in dem was man tut zu erleben. Und dafür ist es nie zu spät. Ich habe erst mit 29 das Laufen für mich entdeckt. Wenn man mutig ist, Neues auszuprobieren und an sich glaubt, dann hat das Leben einiges zu bieten. Ich bin gespannt darauf, was mich in den nächsten Jahren noch erwartet.

Danke Yara für deine Geschichte - sie steckt voller Lebenskraft und Energie! So wie auch du. Ich wünsch' dir weiterhin so viel Freude und Erfolg mit deinem tollen Hobby!

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