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Interview mit einem Berater & Unternehmer, 62 Jahre

Was war das Mutigste, das du je getan hast?

Ich habe mich mit 60 aus einer acht Jahre bestehenden Beziehung gelöst. Die Beziehung sicherte mir ein „sorgenfreies“ Leben in relativem Luxus. Aber ich war nicht glücklich, denn durch finanzielle Abhängigkeit und unterschiedliche Ansprüche an die persönliche Entwicklung war diese Beziehung nicht frei, nicht auf Augenhöhe, nicht rund im Sinne von ähnlichen Lebenszielen – und wir konnten oder wollten sie auch nicht dorthin entwickeln.

Wie ging es weiter?

Nach der Trennung habe ich ein berufliches Projekt akquiriert, mir eine Wohnung in einer anderen Stadt angemietet und bin aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Im Laufe dieses Prozesses ist mein Auftraggeber in finanzielle Turbulenzen geraten und das Projekt konnte nicht umgesetzt werden. Ich bin trotzdem in die fremde Stadt gezogen. Ich lebte von meinen Ersparnissen und versuchte, in meinem alten beruflichen Umfeld (Marketing) wieder Fuß zu fassen. Die letzten großen Erfolge in meinem Beruf lagen über ein Jahrzehnt zurück, der Bereich hatte sich durch die Digitalisierung extrem weiterentwickelt und mein berufliches und privates Netzwerk war sehr ausgedünnt, denn die gemeinsamen Bekannten aus der Beziehung habe ich bewusst gemieden.

Über eine lange Reihe von erfolglosen Versuchen und Ansätzen ergab sich ein Projekt mit einem Freund aus früheren Jahren, mit dem ich ein 50/50 Joint Venture startete. Der Aufbau hat viel Spaß gemacht, gab mir persönlichen Auftrieb und ich investierte meine gesamten Ersparnisse in das Projekt. Leider war das Ergebnis ein finanzieller Misserfolg: Am Ende des Geldes, nach etwa 9 Monaten, hatten wir keine Aufträge. Jetzt wurde es spannend, denn mit dem Ende meiner Ersparnisse war ich eindeutig auch am Ende meiner Komfortzone angekommen.

Mit dem Ende meiner Ersparnisse war ich eindeutig auch am Ende meiner Komfortzone angekommen.

Das war in etwa die Zeit, als meine Traumfrau in mein Leben trat.

Ich entwickelte eine Reihe von Aktivitäten, um finanziell irgendwie über die Runden zu kommen. Der entscheidende Impuls kam, als meine neue Lebensgefährtin und ich gemeinsam mein berufliches Lebensziel erarbeiteten. Dadurch konnte ich viel Klarheit entwickeln und 80 Prozent meiner Aktivitäten weglassen. Für die verbliebenen 20 Prozent der Aktivitäten hatte ich nun viel mehr Zeit und konnte diese mit exakter Fokussierung betreiben.

Crush

Was hat dir deine Entscheidung für dein Leben gebracht?

  • Meine Traumfrau und Lebensgefährtin hat mich gefunden, ich lebe heute die Partnerschaft, die ich mir gewünscht habe!

  • Ich bin wieder erfolgreich auf meinem beruflichen/unternehmerischen Weg.

  • Ich habe erfahren, wie sehr ich mich über das was ich tue und welchen beruflichen Erfolg ich habe, definiert habe. Und was es dadurch für das Selbstwertgefühl und damit auch für das soziale Leben bedeutet, wenn der Erfolg nicht da ist. Ich kann mich dadurch nun auch in die Situation von Menschen hineinversetzen, denen Ähnliches wiederfährt.

  • Ich habe gelernt, Schwierigkeiten als Treppenstufen für die persönliche Entwicklung anzunehmen.

  • Ich habe gelernt beobachten zu können, was geschieht und was es auslöst, ohne zu sehr in eine Gefühlsachterbahn zu geraten und ohne mich zu tief hineinziehen zu lassen. Auch dann, wenn die Geschehnisse nicht so sind, wie ich sie mir primär gewünscht hätte.

  • In mir ist heute Dankbarkeit für und Freude über das, was an Reichtum in jeder Situation da ist.

  • Den Mut, jeden Morgen bewusst und froh aufzustehen und das Leben frisch und neu und voll unbegrenzter Möglichkeiten zu erleben.

  • Ich habe gelernt, die Richtung zur Not auch mit „steifer Oberlippe“ freudig beizubehalten und einfach immer wieder aufzustehen, auch wenn man wieder und wieder hinfällt.

  • Die Erfahrung, wieviel Festhalten da ist, und dass Loslassen frei macht.

Wie wäre dein Leben anders verlaufen, wenn du es nicht getan hätten?

Das mag ich mir gar nicht vorstellen. Insofern relativiert sich meine Mutigkeit hier wieder – es ging eigentlich gar nicht anders. Mein Drang zu Freiheit und Entwicklung ist stark.

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