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Hallo Mathias! Du warst gleich viermal österreichischer Staatsmeister im Downhill (Mountainbike) und verbuchst mittlerweile auch Erfolge auf vier Rädern beim Rallye-Fahren! Fällt dir der Umgang mit Geschwindigkeit so leicht? Hast du nie Angst?

Im Gegenteil (lacht). Die Angst ist immer dabei – bei jeder Kurve, bei jeder Fahrt! Alle, die sagen, sie haben dabei keine Angst, reden Blödsinn. Die Angst brauchst du, sie macht dich wach und fokussiert. In der Komfortzone fahren geht für mich nicht. Ich hab‘ ein paar Mal versucht, Easy Rides im Training zu machen, also Abfahrten, bei denen ich nicht an meine Grenzen gehe. Das hat nie funktioniert. Ich mach da nur Fehler. Ich hab‘ mich jedes Mal verletzt!

Du gehst also freiwillig immer wieder über deine Angst, deine Grenzen hinaus?

Ja genau, aber das ist ja auch das, was man sucht. Das ist ein super G’fühl, du bist eben voll wach und klar dabei. Du weißt, du musst es schaffen. Du bist zu 100 % bei dir, du kannst nicht gleichzeitig an etwas Anderes denken. Und danach, wenn du es geschafft hast, dann ist es noch einmal echt geil. Du hast die Herausforderung angenommen, du hast nicht den Schwanz eingezogen.

Am Rad3
Die Angst ist immer dabei – bei jeder Kurve, bei jeder Fahrt!

Mathias Haas on FB

Ist das nicht gefährlich, sich immer genau in diesem Grenzbereich zu bewegen? Hast du dich nie verletzt?

Oh doch, sicher – aber ich hab‘ mir nie etwas gebrochen! Nur alle möglichen Bänder gezerrt und gerissen. Aso, stimmt nicht ganz (hält kurz inne und greift sich an die Nase). Die Nase schon. Die Nase hab‘ ich 3 Mal gebrochen (grinst). Deshalb ist die Angst ja gut. Sie hilft mir, meine Manöver richtig zu dosieren. Ein wenig Feingefühl und Talent sind natürlich auch förderlich, um so fahren zu können. Du kannst die Geschwindigkeit nicht mit der Brechstange ausreizen, das funktioniert nicht.

Konntest du das bei anderen beobachten?

Ja, die Leute, die glauben, keine Angst zu haben, die bekommen diese Dosierung nicht hin. Die verletzen sich dann zu stark oder zu oft hintereinander. Die geben bald auf und können nicht wirklich gut werden. Überhaupt hören die meisten nach dem ersten Rückschlag auf.

Wie war das bei dir? Wie hast du es geschafft, mehrfacher Staatsmeister zu werden?

Ich hab‘ mit 13 oder 14 im Supermarkt ein Mountainbike-Heft gekauft und gewusst: Das muss ich machen! Ich hatte damals nur ein ganz normales 08/15-Fahrrad mit dem bin ich mit meinem Kumpel offroad durch den Wald gefahren. Dann hab‘ ich eben auch begonnen damit, die Hügel der Umgebung zu erobern. Downhill war dabei immer das, worum es uns ging. Schritt für Schritt bin ich dabei immer schneller und schneller geworden. Wir waren eine ganze Gruppe und schließlich sind wir zu zweit bei der Sache hängen geblieben. Die Petz und ich. (Anmerkung: Petra Petz Bernhard ist 10-fache Ö-Staatsmeisterin im Downhill-) Soll ich die Petz anrufen, dass sie vorbeikommt? Sie könnte auch so viel zu der Zeit erzählen!

Kurze Zeit später taucht Petra Petz Bernhard auf. Es ist sofort ersichtlich, die beiden sind gemeinsam durch dick & dünn gegangen, sie kennen sich.

Also wie war das? Habt ihr viel Support bekommen?

Petz: Geschenkt ist uns nie etwas geworden! Wir haben uns alles hart erkämpfen müssen. Hier in der Gegend ist Downhill ein Outsider-Sport, es gab ja keine lokalen Vorbilder. Wir haben oft zu hören bekommen, wir sollen endlich etwas G’scheites machen, aufhören mit dem Blödsinn. (Anmerkung: Petra und Mathias sind im ziemlich flachen südoststeirischen Hügelland aufgewachsen.)

Mathias: Stimmt! Aber mein Vater war hilfreich, er hat uns überall hingeführt, solange wir noch nicht Auto fahren durften. Insgesamt galten wir aber als schräge Vögel. Auch in der Szene waren wir irgendwie Exoten. Als ich Staatsmeister geworden bin, da war das ungefähr so, als würde der Hermann Maier aus dem Burgenland kommen. (Grinst)

Hat dieser Erfolg etwas verändert?

Ja, da haben sich natürlich alle sehr mit mir und für mich gefreut. Die Leute waren stolz. Das war super. Aber das verebbt ja auch wieder. Und nach ein paar Monaten hörst du wieder die alten „Argumente“ vom Umfeld. Was du tust, muss dir entsprechen, etwas zu machen für die Coolheit oder die Anerkennung der anderen, das funktioniert nicht – jedenfalls nicht lang.

Pokale2

Wie bist du dann zum Rallye-Fahren gekommen?

2012 bin ich nach mehreren, echt harten Hungerjahren noch einmal Staatsmeister geworden. Die Jahre davor waren richtig schwer; du gibst alles, trainierst hart, hast wenig Erfolge und musst auch noch die Sponsoren und das Medieninteresse erhalten. Da steigt der Druck. Aber 2012 hab‘ ich die Jungen, die Top-Lokals der Strecke mit über 30 noch einmal geschlagen! Dieser Abschluss war genial, besser hätte ich es nicht schaffen können. Alle, selbst die härtesten Konkurrenten haben sich extrem für mich gefreut. Danach habe ich aufgehört. Parallel hatte ich schon zum Spaß mit dem Rallye-Fahren begonnen.

Und deine Lebensgefährtin Birgit (Anmerkung: Birgit Gangl) ist deine Co-Pilotin! Das ist ziemlich außergewöhnlich, oder?

Das war Schicksal. Wir waren 2013 bei einem Rennen und mein Co-Pilot ist ausgefallen. Ich war am Boden zerstört. Da hat Birgit plötzlich gesagt, sie springt ein. Ich wollte das überhaupt nicht. Ich dachte mir, das ist viel zu gefährlich und dass ich dann auch nicht so aggressiv fahren kann. Aber Birgit hat nicht locker gelassen, sie war wirklich DIE Rettung. Wir haben von Anfang an super zusammen funktioniert. Mittlerweile investiert auch Birgit ihr Geld und ihre Freizeit in unseren Sport.

Ist der Sport teuer?

Ja, es entstehen viele Kosten dabei. Es ist oft an der Kippe, ob wir weitermachen können, aber genau das wollen wir unbedingt! Wenn ich es sagen darf: Wir sind auf der Suche nach einem Sponsor und können Einiges bieten. Bei Interesse bitte mit mir Kontakt aufnehmen.

mati.haas@gmx.at

Was kannst du unseren Lesern noch mitgeben?

Probier‘ aus, was dir taugt. Geh raus aus deiner Komfortzone! Und wenn du dann auf Widerstände triffst und Niederlagen einstecken musst, dann musst du erst recht weiter machen. Genau das macht dich wirklich stark. Ich weiß heute genau, wer ich bin, was ich kann. Ich weiß was ich tue, auch in brenzligen Situationen. Ich kann mich auf mich selbst verlassen.

Petz, was gibst du unseren Lesern noch mit?

Du musst deine Ziele klar sehen, sie immer vor Augen haben. Dann hält dich nichts mehr. Zwischen Arbeit und Pension gibt es etwas! Das checken aber Viele nicht. Lass dich von diesen Leuten nicht aufhalten, lass dich nicht von deinem Weg abbringen. Das größte Geschenk, das wir durch das Downhillfahren bekommen haben ist, dass wir ausgebrochen sind aus einem vorgeformten Leben.

Einfach genial wie ihr eure Geschichte einfach selbst geschrieben und schon in so jungen Jahren euer Leben angepackt habt! Vielen, vielen Dank für dieses spannende Gespräch und diesen lustigen Nachmittag!

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