Achtung! Perry sieht ganz harmlos aus…

Thomas Zelenka Stadtimker
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Hallo Perry! Du bist hauptberuflich Kampfkunsttrainer, Großmeister in mehreren Disziplinen, vielfacher Weltmeister im Hap Ki Do und hast zwei Weltrekorde aufgestellt! Das ist alles andere als Mainstream. Woher hast du den Mut genommen für dieses Leben?

1995 hatte ich die Idee, eine Kampfsportschule zu gründen. In den nächsten fünf Jahren bin ich ständig in mehrere Schulen im Ausland gefahren, um von verschiedenen Meistern zu lernen. Ich wollte zusätzlich zum Hap Ki Do weitere Stile lernen, um fähig zu sein, ein vielseitiges Programm anzubieten. Wenn ich in Österreich war, machte ich irgendwelche wechselnde Jobs, um mich finanziell über Wasser zu halten.

Was denn zum Beispiel?

Alles mögliche! Das Ärgste war wahrscheinlich nachts am Fließband zu stehen und Müll zu sortieren… Ich habe in diesen Jahren sehr hart und intensiv trainiert, dreimal täglich und das sechs bis sieben Mal in der Woche.

Wie viele Stunden am Tag waren das denn?

Sechs bis sieben Stunden.

Ich habe in diesen Jahren sehr hart & intensiv trainiert.
Perry Zmugg

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Schlägertypen kommen nicht wieder, die passen einfach nicht dazu.

Wie waren die Reaktionen von deinem Umfeld, als du beschlossen hast eine Kampfsportschule zu gründen?

Alle haben mir abgeraten. Die ersten Jahre waren richtig hart, das Ganze war fast unmöglich. Ich war zwei Jahre lang nicht einmal versichert! Ich musste mich echt durchbeißen und dranbleiben

Was hat dir retrospektiv auf deinem Weg am meisten Mut abverlangt?

Die Eröffnung meiner eigenen Schule im Jahr 2000. Ich war damals 27 und bin komplett ins kalte Wasser gesprungen. Ich hatte keinen Businessplan, keine Berater und keine Rücklagen. Ich hatte nicht einmal für jede Disziplin, die ich unterrichtete die richtige Kleidung! (Anmerkung: In der Kampfkunst trägt man standardmäßig in jeder Disziplin eine andere Kleidung) Aber ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass das Training und die soziale Komponente im Vordergrund stehen und nicht das Business. Das war und ist sicher ein wesentlicher Punkt, warum meine Schule funktioniert. Meine Schüler fühlen sich wohl, es ist familiär. Schlägertypen kommen nicht wieder, die passen einfach nicht dazu.

Warst du für manche bei deinen Anfängen ein schräger Vogel?

Ich habe mich am Anfang überhaupt nicht darum gekümmert, was andere Kampfsportschulen tun. Irgendwann hab‘ ich mitbekommen, dass viele Geschichten und Gerüchte über mich im Umlauf sind. Sogar Personen, die mich noch nie getroffen hatten, erzählten irgendwelche Sachen über mich. Die Leute waren skeptisch, ob eine Person mehrere Kampfstile meistern kann. Dann hat ein Lehrer gesagt: „Es gibt Menschen, die versuchen eine Sprache zu lernen und schaffen es nicht und es gibt Menschen, die sprechen mehrere Sprachen perfekt…“

Vielfalt an Stilen

Perry bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an Stilen in seiner Schule an

Wie bist du überhaupt zum Kampfsport gekommen?

Ich hab‘ im Kindergarten schon gerne gerauft. Und ich hab‘ immer gewonnen (grinst). Das ist so weiter gegangen. (kurze Pause) Aber ich hab‘ nie begonnen! Als ich 16 oder 17 war, bin ich Ende der 80er über Freunde zum Hap Ki Do gekommen. Zuerst musste ich heimlich trainieren, es wäre zu Hause nicht gut geheißen worden. Aber bald hab‘ ich es richtig intensiv betrieben und in zwei verschiedenen Hap Ki Do Schulen gleichzeitig trainiert. Anfangs war ich richtig schüchtern und stand immer in der letzten Reihe. (Anmerkung: Wenn man Perry schon einmal in Action gesehen hat, kann man sich das heute nur sehr schwer vorstellen.) Ich war begeistert von der Vorstellung, bis zum schwarzen Gürtel zu kommen. Das habe ich dann recht rasch geschafft, das hat das mit dem Schüchternsein auch verändert...

Wovor kann jemand wie du noch Angst haben?

(Überlegt kurz) Ich hab‘ versucht, mich meinen Ängsten zu stellen. Es gab eine Zeit, in der ich nicht gerne Wettkämpfe machen wollte. Solange ich niedriger graduiert war, hat es mir nichts gemacht. Wenn ich gegen einen höher graduierten Gegner gewann – super. Wenn ich verlor war es auch nicht schlimm. Später war es anders, da war ja ich der mit den Titeln. Ich hatte das Gefühl, dass ich irgendwie nur verlieren konnte. Wenn ich einen Wettkampf gewann, war es irgendwie „eh klar“, aber wenn ich verlieren würde, dann wäre es ein Gesichtsverlust. Als ich diese Angst erkannte, habe ich mich ihr gestellt. (Anmerkung: Ich muss daran denken, wie viele Titel Perry erobert hat, sein Mut scheint sich wirklich bezahlt gemacht zu haben.)Einmal habe ich mich spontan entschlossen, zu einer Weltmeisterschaft nach Thailand zu fliegen. Ich hab‘ den Flug ganz kurzfristig gebucht, war nur vier Tage weg, aber ich bin mit zwei Weltmeistertiteln zurückgekommen. Obwohl ich den Jetlag total unterschätzt und die Nacht vor den Kämpfen kein Auge zugemacht hatte.

Zuerst musste ich heimlich trainieren.

Perry's Weltrekorde

  • 2011: Längster Kung Fu Kampf (102 Runden!)

  • 2006: Essstäbchen am Hals zertrümmern (42 innerhalb einer Minute!)

Weltmeistertitel & Championship

  • vielfache Weltmeistertitel in Real Arnis (= Stockkampf)

  • vielfache Weltmeistertitel in Hap Ki Do

  • Amercian Championgship in Karate

Anmerkung: Es ist gar nicht einfach, Perry seine Titel und Siege zu entlocken. Er kennt sie gar nicht alle auswendig und muss in seinem Trainingsraum auf diversen Zertifikaten nachlesen. Die Aufzählung oben ist nur ein kleiner Auszug...

Denkst du, dass Kampfsport dabei hilft, um mutiger zu werden?

Ich bin überzeugt davon! Du musst dich ja stellen. Du konfrontierst dich in jedem Training mit deinen Trainingspartnern und deinem eigenen Können. Davor kannst du dich nicht verstecken. Du merkst sofort, wenn du etwas nicht beherrschst. Aber dann kommt der Wille besser zu werden und dann hast du Erfolge...

Du hast Schüler, die seit vielen Jahre bei dir trainieren. Konntest du auch echte Persönlichkeitsentwicklung miterleben?

Ja, das würdest du nicht glauben! Ich habe Schüler, die waren komplett am Boden, als sie zu mir gekommen sind. Deren Leben war völlig aus dem Ruder gelaufen. Immer wieder haben mir Schüler ihre Lebensgeschichten erzählt. Aber sie haben es dann geschafft. Mit der Kampfkunst habe ich vielen Leuten aus so etwas rausgeholfen. Mittlerweile sind ein paar von ihnen schon selbst seit zehn Jahren Trainer.

Welchen Rat gibst du Menschen, denen der Antrieb fehlt?

TUN! Es gibt so viele Gründe, es nicht zu tun. Egal ob wir von Kampfsport reden oder einer anderen Sache. Wenn man auf diese Gründe hört, dann lässt man die Dinge schleifen. Beim Kampfsport werden dann die Abstände zwischen den Trainings größer und dann machst du’s gar nicht mehr. Am Anfang muss man sehr konsequent sein. Und dann ist man es gewöhnt.

Was hat dich damals angetrieben, es so weit zu schaffen?

In der Kampfkunst gibt es keine Grenzen! Es gibt so viel zu lernen. Du kannst die Dinge perfektionieren, irgendwann kommt es zum Flow. Durch das Beherrschen verschiedener Stile kannst du alle Möglichkeiten abdecken und diese Möglichkeiten dann miteinander verknüpfen. Meine Art zu trainieren hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Früher habe ich härtere, brachialere Trainings gemacht. Inzwischen geht es mir immer mehr darum, die Kraft und die Techniken an jedem Punkt, in jedem Augenblick voll kontrollieren zu können.

Und heute?

Die Faszination ist ungebrochen. Ich lerne ständig dazu. Nur wird es immer schwieriger für mich echte Meister zu finden – man trifft sie auch nicht unbedingt in den großen Kampfsport-Schulketten. Aber es gibt sie. Wenn ich auf so jemanden treffe, bin ich völlig begeistert und lerne von ihm. Ich versuche mit solchen Meistern auf Augenhöhe zu kommen. Das funktioniert bei einigen und manche scheinen unerreichbar.

Video Dojo

Perry betreibt auch einen Video-Dojo

Meister mit Humor

Ein Weltmeister mit Humor!

Wie reagieren Leute, wenn sie von deinem Beruf erfahren?

Privat merken die Leute eigentlich gar nicht, dass ich von Beruf Kampfsportprofi bin. Ich geh nicht durch die Stadt und fuchtl wild herum (grinst). Ich führ mich auch nicht arg auf – als Meister sollte man auch ein Vorbild sein. Was ich aber schon als Auftrag sehe, ist den Menschen zu zeigen, dass Kampfkunst eine niveauvolle Sache ist. Deshalb habe ich auch immer wieder Showkämpfe organisiert. Es ist mir wichtig, den Leuten zu vermitteln, dass Kampfkunst alles andere als eine Schlägergeschichte ist.

Hast du eine abschließende Message für unsere Leser?

TUN!

Danke Perry für deine Zeit & diese spannenden Einblicke in deine Erfolgsstory!

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