Ich bin Wahlminimalistin!

Achtung! Perry sieht ganz harmlos aus…
14. April 2019
Ordnungsprofi

Hallo Olivia! Du bist hauptberuflich Ordnungsprofi. Macht das unordentlichen Freunden von dir manchmal Angst?

(Lacht erstaunt auf) Nein! Im Gegenteil, meine Freunde fragen mich nach Lösungen für spezielle Probleme. Oft sogar für deren Freunde und Bekannte. Ich habe einen großen Freundeskreis im Ausland – meine Ordnungstipps landen sogar dort. Außerdem bin ich selbst ja auch phasenweise unordentlich. Das, was ich am Tag benutze, liegt auch herum. Vor dem Schlafengehen räume ich die Dinge zurück an ihren Platz, das gibt mir ein gutes Gefühl. Am nächsten Tag starte ich in einem schönen Raum…

Das, was ich am Tag benutze, liegt auch herum
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Hat Unordnung auch einen unbewussten Nutzen?

Unordnung ist immer belastend. Es gibt verschiedene Chaostypen, ich unterscheide dabei folgende drei:

Der, der von allem zu viel hat
Dieser Typ hat unzählige Sachen und kauft gerne und viel ein. Das Chaos entsteht aus dieser speziellen Ursache heraus.

Der Ungelernte
Dieser Typ ist perfektionistisch veranlagt und hat gleichzeitig nie gelernt, Ordnung zu schaffen. Weil er es aber richtig machen will, fängt er gar nicht erst an mit dem Ordnen. Er weiß ja nicht, wie es geht. Wenn er es aber durch eine Session mit mir erst einmal verstanden hat, dann legt er richtig los! Es geht bei ihm wirklich nur um das Anfangen und das Erarbeiten einer Struktur.

Der Perfektionist
Er geht in seiner Ordnung zu sehr ins Detail, er strukturiert und verschachtelt zu sehr. Wenn dann etwas Neues dazu kommt, passt es nicht zu den übergenauen Kategorien. Der Perfektionist kann das Neue dann nicht einordnen, er legt es einfach oben drauf. Die Stapel werden immer höher und höher. Klassisch dafür sind Bastelutensilien. Nach dem Ordnungschaffen bleiben diesem Typen sogar leere Boxen und Schachteln über!

Müssen deine Kunden viel Mut aufbringen, um mit dir in Kontakt zu treten?

Auf alle Fälle! Bei uns herrscht weit verbreitet die Überzeugung: „Haben wir unser zu Hause nicht im Griff, dann haben wir auch unser Leben nicht im Griff.“ Die Kunden kommen meist, wenn einer der folgenden Zustände vorherrscht:

A: Der Schmerzpunkt ist absolut erreicht

B: Sie schaffen es alleine einfach nicht mehr, möchten aber nicht Freunde um Hilfe bitten.

Freunde sind beim Ordnungschaffen nicht immer die besten Partner. Da kann es schon einmal zu unpassenden oder aufdringlichen Ratschlägen kommen, zu Grenzüberschreitungen. Meine Kunden schätzen es, dass ich sie nicht beurteile. Außerdem nehme ich alles, was nicht mehr gebraucht wird, sofort mit. Ich bringe die Sachen zu den unterschiedlichsten Spendensammelstellen. Der gute Zweck ist mir dabei ein großes Anliegen. Die Dinge landen dort, wo sie wirklich am meisten Nutzen bringen. All das zusammen ist für viele Kunden ein unschlagbares Service. Nach der Session befindet sich der Kunde in einem herrlichen, ordentlichen Raum – ganz ohne Zeugs, das noch entsorgt gehört. Dafür mit einem höchst positiven Gefühl.

Freunde sind beim Ordnungschaffen nicht immer die besten Partner.

... weitere Möglichkeiten zu spenden

Der gute Zweck ist wesentlich!

Olivia legt großen Wert darauf, dass Sachspenden dorthin gelangen, wo sie den bestmöglichen Nutzen erfüllen. Die meisten Menschen wissen nicht, wie wieviele unterschiedliche Spendenannahmestellen es gibt. So können zum Beispiel bei "Kleine Wildtiere in großer Not" Decken, Pölster, Bettwäsche und Heu gespendet werden. Das VinziHaus Graz freut sich unter anderem über Lebensmittelspenden, Reinigungsartikel, Hygieneartikel und Bücher.

Was sind für dich die schönsten Momente in deiner Arbeit?

Wenn der Knopf aufgeht! Der, der von allem zu viel hat, denkt zuerst, er könne alles ordnen. Zu einem späteren Zeitpunkt begreift er, dass so viel Besitz nicht in seine Kästen passt und ihn tatsächlich unzufrieden macht. Ihm wird klar, dass er sich für jene Dinge entscheiden muss, die ihm wirklich Freude bereiten. Ab diesem Moment verlässt er sich auf sein Bauchgefühl und es geht zack zack! Bei Typ 2 setzt dieser Punkt ein, sobald er das System verstanden hat. Bis zur nächsten Session erledigen diese Menschen so gut wie immer alles, was wir vereinbart haben.

Loslassen im Leben und Ordnung schaffen – kannst du diesen Zusammenhang bei deinen Kunden beobachten?

Ja, aber das Loslassen kommt im Nachhinein. Die Auslöser, die Menschen dazu bringen, mich als Ordnungsprofi zu engagieren, sind unterschiedlich. Aber wenn sie dann in einem freien, schönen Raum sind, dann passieren später im Leben häufig sehr positive Veränderungen. Das berichten mir meine Kunden dann auch. Es gibt z. B. immer wieder die Situation, dass mich eine Person engagiert, die Teil einer Partnerschaft ist. Natürlich können wir dann nur ihre eigenen Dinge in Ordnung bringen, nicht die des Partners. Häufig bemerkt der Partner jedoch den positiven Effekt und wenn auf ihn kein Druck ausgeübt wird, verändert auch er sein Verhalten.

Dein Firmensitz ist in Kapfenberg, eine recht kleine Stadt mit ca. 23.000 Einwohnern. Hast du Mut benötigt, um dich hier mit deiner Nischendienstleistung selbständig zu machen?

(Überlegt) Den Mut habe ich eher dafür benötigt, um aus mir heraus zu gehen. Was ich mache, ist ja etwas ganz Eigenes, das hat bei uns in der Gegend keiner gekannt. Es verstehen auch nicht alle und da habe ich immer wieder abwertende Kommentare bekommen. Meine Dienstleistung zu erklären ist wie ein Outing, ich gebe dabei meine Persönlichkeit preis. Auch auf Youtube bekommt man manchmal negative Kommentare. Ich musste lernen damit umzugehen.

Wie hast du das geschafft? Was hat dir dabei geholfen?

Ich war früher im Touristikbereich tätig und dort musste ich meinen Kopf für eine Firma hinhalten. Ich wurde teilweise arg beschimpft, aber ich habe gelernt, dass das nichts mit mir als Person zu tun hat, sondern mit der Arbeit. Das konnte ich auf meine jetzige Tätigkeit umlegen. Wenn jemand einen negativen Kommentar macht, dann heißt das ja noch lange nicht, dass es nicht viele andere gibt, die meine Sache sehr wohl toll finden! Außerdem geht es dabei nicht um mich als Mensch, sondern um das Thema Ordnung.

Meine Dienstleistung zu erklären ist wie ein Outing.

Wie bist du dazu gekommen, dich als Ordnungsprofi selbständig zu machen?

Bis 2017 habe ich auf Lanzarote gelebt. Nach gut zehn Jahren im Ausland entschied ich aus dringlichen familiären Gründen, nach Österreich zurück zu kehren. Nachdem das Gröbste geregelt war, stellte ich mir die Frage, wie es jetzt beruflich weiter gehen soll. In die Gastronomie wollte ich auf keinen Fall. Ich dachte mir, am besten wäre etwas, das mir schon immer Spaß gemacht hat. Und das war das Aufräumen (lacht).

Dann bist du einfach zur Tat geschritten?

Es war natürlich richtig viel Arbeit im Vorfeld. Recherchieren, Lesen, Lernen – als Unternehmerin brauchst du ja nicht nur Fachexpertise, sondern auch wirtschaftliche Skills, eine Marketingstrategie und vieles mehr. Mit 1.3.2018 war es dann soweit und wir haben einen guten Start hingelegt. Die Netflix-Serie mit Marie Kondo hat meiner Sache noch mal einen ordentlichen Push gegeben!

Möchtest du meinen Lesern noch etwas Bestimmtes mitgeben?

Ja, das möchte ich wirklich. Ich möchte die Philosophie, die ich für mich gelernt habe, teilen: Wenn ich Rentnerin bin und Kinder und Enkelkinder habe, dann möchte ich so viele Geschichten wie möglich erzählen können. Geschichten erzählen kann man aber nur, wenn man etwas unternimmt. Besitz braucht Zeit und Pflege. Wenn man sich von seinem Besitzt einsperren lässt, dann kann man nichts unternehmen. Ich bin Wahlminimalistin, um die Freiheit zu haben zu leben.

Danke Olivia für diese spannenden Einblicke in die Welt der Ordnung!

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